Hochzeit

von Ulrike Krasberg

Jede Hochzeit besteht aus einer Aneinanderreihung vieler kleiner Rituale, in deren Mittelpunkt bestimmte Objekte stehen. Diese Objekte sind Symbole für den Übergang von einem Status zum nächsten: Von der Jungfrau (heute würde man sagen „vom Single“) zur Ehefrau oder Ehemann. Diese Symbole weisen auf die Wünsche und Träume hin, wie das Leben nach dem Übergangsritual der Hochzeit sein könnte. Meist sollen Glück, Reichtum – in welcher Form auch immer – und ein gutes Leben mit den Symbolen ausgedrückt werden.

Hochzeit in den 1980er Jahren

Die Rituale sind von Region zu Region, oftmals von Dorf zu Dorf unterschiedlich und sie wandeln sich im Laufe der Zeit. Manche werden unmodern, passen nicht mehr in die Zeit. Dafür entstehen neue, die das Lebensgefühl der heiratenden Generation besser ausdrücken. Heute gibt es professionelle Hochzeitsausrichter, in früheren Zeiten arbeiteten an den einzelnen Elementen, die für eine Hochzeit unabdingbar waren, nicht nur die Familie, sondern auch Nachbarn, ja das ganze Dorf.

Pantoffeln für den Bräutigam

Die Mutter der Braut schenkte dem Bräutigam zur Hochzeit ein Paar Pantoffeln für den Gang ins Brautgemach. Diese stellte sie selbst her, indem sie das Oberteil des Pantoffels nach einem Schnittmuster reich bestickte und beim Dorfschuster herstellen ließ.

Pantoffeln für den Bräutigam. Foto: Museum Filia
Nicht fertig gestelltes Schuhoberteil. Foto: Museum Filia
Mit Perlen besticktes Schuhoberteil. Museum: Filia

Warum im Museum Schuhoberteile zu finden sind, die nicht zu Schuhen verarbeitet wurden, wissen wir nicht. Vielleicht wurde die Verlobung gelöst? Heute wird dieser Brauch nicht mehr praktiziert, aber männliche Museumsbesucher sagen mitunter, dass auch sie ein solches Paar Pantoffeln zur Hochzeit bekommen hätten.

Das Hochzeitsbett

Vor der Hochzeit versammelten sich Familie und Nachbarn um das Bett im zukünftigen Schlafzimmer der Brautleute. Dieses war mit Wäsche aus feinstem Leinen verziert mit Lochstickerei bezogen. Unter Gekicher und Gelächter hielt man frivole Reden. Und kleine Kinder durften auf dem Bett herumtollen. Bevor man wieder auseinanderging wurden Münzen und Geldscheine auf das Bett geworfen.

Hochzeitsbett. Foto: U. Krasberg 1986

Das Hochzeitsbrot

Zu jeder Hochzeit gehört auch ein Hochzeitsbrot, das in Stücke zerteilt, an die Hochzeitsgäste verteilt wird. Allerdings darf es nicht mit einem Messer zerschnitten werden, das bringt Unglück. Traditionell nahm man deshalb für das Zerteilen die großen geschmiedeten Schlüssel der alten Schlösser an den Hofeingangstoren des Hauses.

Hochzeitsbrot. Foto: U. Krasberg, 1988

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