Unterwäsche der feinen Dame um 1900

von Ulrike Krasberg

Leinene Unterkleider und Unterwäsche mit feiner Lochstickerei („kuftó“) konnten sich nur wenige im Dorf leisten. Meist fertigten sich Bräute während einer langen Verlobungszeit, das eine oder andere Stück Unterwäsche an und versahen es mit Lochstickerei. Wohlhabende Damen ließen sich von professionellen Stickerinnen ihre Wäsche verschönern.

Damenunterwäsche mit Lochstickerei. Foto: Museum Filia

Lochstickerei war in ganz Europa bekannt und verbreitet, spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg aber wurde Lochstickerei zu einem Relikt aus der Vergangenheit. Zumal auch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Unterwäsche aus anderen Materialien als Leinen Verbreitung fand. Und nach und nach hielt diese moderne Unterwäsche auch Einzug in Filias Wäschetruhen und Schränke. Auf Gardinen, Tischdecken und Bettwäsche aber blieb Lochstickerei die gängigste Form der Verzierung. Wobei sie immer eine kostbare, weil aufwändige Art der Verzierung geblieben ist, die darüber hinaus als Handwerk gelernt und geübt werden musste.

Damennachthemd mit Lochstickerei. Foto: Museum Filia
Damenunterhose mit Lochstickerei. Foto: Museum Filia
Unterrock mit Lochstickerei. Foto: Museum Filia

Ab den 1960er Jahren kam durch die Möglichkeiten der Arbeitsmigration ins europäische Ausland mehr Geld ins Dorf und damit auch die angesagten Konsumgüter dieser Zeit. Das Interesse an Lochstickerei ließ spürbar nach.

Marula Kechaia bei der Anfertigung einer Lochstickerei. Foto: A. Antony

Als ab den 1980er Jahren die Insel als Feriendestination vom organisierten Tourismus vermarktet wurde und Scharen von Urlaubern nach Lesbos kamen, wurde in den Souvenierläden die Lochstickerei – nicht nur auf Tischdecken, sondern auch als Verzierungen auf Nachthemden und Sommerkleidern – von Verkäufern und Touristen als schönes Mitbringsel entdeckt und die Weißstickerinnen konnten ihre Arbeiten in den Tourismushochburgen zum Verkauf anbieten.

Leinengardinen mit Lochstickerei nach einem Muster um 1900 (Marula Kechaia). Foto: U. Krasberg, 2003

Heute ist die Handwerkskunst der Lochstickerei ein Ausbildungsberuf, der durch den griechischen Staat gefördert wird und mit einem Diplom abgeschlossen wird. Das Interesse an den durchaus hochpreisigen Gardinen, Tischdecken und Bettüberwürfen ist bei Familien, die sich dies leisten können gestiegen. So ist die Lochstickerei auf edlen Leinentüchern stets eine Kunst für die Wohlhabenden geblieben.

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