Gespräch mit dem Popen über das heilige Öl bei der Taufe

In der Sammlung befindet sich ein kleines silbernes Fläschchen mit einer Kette

Frage: Was kannst du uns über die Taufe und das Taufwasser erzählen? Du hast gesagt, dass dem Taufwasser Duftessenzen hinzugefügt werden, die auf eine bestimmte Art und Weise hergestellt werden.

Sakrales Gefäss für Tauföl. Foto: Museum Filia

Antwort: Die Taufe wird mit Wasser und Öl vollzogen. Die Orthodoxen haben auch das sogenannte „Mystirio“, es heißt „Mystirio tou Chrismatos“ (das Sakrament der Konfirmation), welches mit der Taufhandlung erfolgt. Dabei wird ein heiliger Duftstoff verwendet, der aus vielen Aromen besteht und vom Patriarcheio in Konstantinopel kommt. Diesen Duftstoff geben wir im Rahmen der Taufzeremonie dem Wasser bei, egal ob bei einem kleinen Baby oder einem Erwachsenen. Erwachsene können ja auch getauft werden. Es gibt dafür große Taufbecken mit Stufenleitern wie in einem Schwimmbad. In Kloster Agios Ignatios gibt es ein solch großes Becken. Dort kann das „Mystirio tou Chrismatos“ für Ältere erfolgen.

Frage: Es gibt in der Sammlung dieses kleine Ölfläschchen für Taufen. Was hat es damit auf sich?

Antwort: In diesen Fläschchen wurden die verschiedenen Aromen für die Taufe aufbewahrt. Durch die Taufhandlung erhält das Taufkind quasi seinen christlichen Stempel und wir schneiden dem Baby sogar ein wenig die Haare, in dem Muster des Kreuzes. Das Ganze nennt sich wie gesagt das „Mystirio tou Chrismatos“. Die Katholiken haben das in der Form nicht. Sie kennen nur die Taufe als solche. „To rantizoun to moro“ (sie besprenkeln das Kleinkind). Das ist anders.

Frage: Ändert sich der Duft der Taufaromen, wenn diese immer wieder neu hergestellt und gemischt werden?

Antwort: Für diese Duftmischung werden über 40 Aromen hinzugefügt und, damit es haltbar bleibt, auch Öl. Das Ganze ist für das neue Christenkind. Man sagt, dass ein Heiliger Düfte ausströmt („bgazei aroma“). Wenn du heute getauft würdest, würden all‘ deine Fehler damit vergehen. Der Mensch wird dabei wie neu geboren, er verändert sich, wird zu einem anderen. Und das Duftaroma ist ein Symbol für die Veränderung. Diesen Brauch gibt es in der orthodoxen, nicht aber in der katholischen Kirche. Die Duftfläschchen oder Parfümbeutel nennen wir übrigens „murodocheio“. In der Sammlung befindet sich ein kleines silbernes Fläschchen mit einer Kette.        

Das Gespräch führte Bernhard Weinmann   

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.