Essgeschirr

von Ulrike Krasberg

Jedes Dorf hatte einen Töpfer…

… der für das notwendige Koch- und Essgeschirr der Bewohner sorgte. Viele Haushalte besaßen auch kupfernes Kochgeschirr, das als Teile der Aussteuer von der Mutter an die Tochter vererbt wurde. Es diente aber mehr dem Prestige als dem Kochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch in Griechenland Emaillegeschirr als für jeden erschwingliches Massengut produziert und wurde in Filia verwendet.

Der Töpfer von Filia, 1989. Foto U. Krasberg Μουσείο Φιλιά Λέσβου
Der letzte Töpfer von Filia, 1989. Foto U. Krasberg
Emaillekanne. Foto: Museum Filia
Emaillegeschirr. Foto: Museum Filia

Bis Ende des 18. Jahrhunderts sammelte vornehmlich der Adel Objekte aus Porzellan und nahm Mahlzeiten auf Porzellangeschirr ein. Aber echtes Porzellangeschirr war sehr teuer und zerbrach leicht. Deshalb wurde vor allem in Manufakturen in England eine Mischung aus Porzellan und Steingut entwickelt, mit dem Geschirr hergestellt werden konnte, das weniger zerbrechlich war. Mit der aufkommenden Industrialisierung begannen Porzellanmanufakturen Essgeschirr zu erschwinglichen Preisen für die breitere Bevölkerung zu produzieren. Aber auch dieses Geschirr wurde bis zum Zweiten Weltkrieg vorwiegend für Mahlzeiten an Sonn- und Feiertagen benutzt

Foto: Museum Filia

Das Geschirr der Familie K. war aus England importiert. Vor allem aus den Manufakturen der Gebr. Johnson und der der Gebr. Meakin, beide aus Stoke-on- Trent. Pagoden-, Landschaftsmotive und florale Muster waren Ende des 19. Jhts im Trend. Das sogenannte „Flow Blue“ wurde nicht aufgemalt, sondern gedruckt. Florale Muster wurden tief in eine Metallplatte graviert, mit Kobaltblau gefüllt und mit saugendem Papier aufgenommen. Damit wurde das zerfließende Muster auf das Geschirr übertragen. Anschließend wurde es glasiert und gebrannt. „Flow Blue“ war zwischen 1830 und 1920 besonders in den USA sehr beliebt.

Flow-Blue-Dekor Teller der Fa. Lindner ca 1915 Museum Μουσείο Φιλιά Λέσβου
Flow-Blue-Dekor-Teller der Fa. Lindner ca. 1915

Die meist verwendete Farbe war das „chinesische“ Kobaltblau, und auch die Motive des Dekors waren von chinesischem und asiatischem Porzellan inspiriert. Allerdings wurden sie nicht mit Hand aufgemalt, sondern ab Anfang des 19. Jahrhunderts mit der sogenannten Transfertechnik aufgedruckt. Dafür gravierte man zunächst das gewünschte Muster in eine Metallplatte. Die Rillen des Musters wurden mit einer klebrigen Kobalt-Farbmixtur eingestrichen und anschließend durch Abdruck auf saugfähiges Papier übertragen. Das wiederum wurde auf den Keramik- oder Porzellangegenstand aufgedrückt, ein Vorgang, bei dem saubere, klare Linien erhalten blieben. Anschließend wurde das Geschirr gebrannt, glasiert und nochmals gebrannt.

Transferdruck-Teller der Fa. Minton, Stoke-On-Trent, ca. 1830
Transferdruck-Teller der Fa. Minton, Stoke-On-Trent, ca. 1830

Auch bei Dekorationen im sogenannten „Flow Blue“, die zwischen 1830 und 1920 besonders in den USA sehr beliebt waren und vor allem aus England kamen, setzte man die Transfertechnik ein. Aber hier wurde zum Kobalt, das das tiefe Blau erzeugte, Salz hinzugefügt (später auch andere Chemikalien), um den Effekt des Verschwimmens zu erzeugen. Da Kobalt eine sehr kostspielige Farbe war, konnte durch das Hinzufügen von Salz der Preis des Geschirrs gesenkt werden. Während in frühen Stücken im Flow-Blue-Stil oftmals das Blau in der Dekoration überwog, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das Verhältnis von weißem Untergrund und blauer Dekoration eher im Gleichgewicht gehalten. Bis heute werden Stücke im Flow-Blue-Dekor auf dem Antiquitätenmarkt gewinnbringend gehandelt. Weitere Infos zur Geschichte dieses Dekors gibt es hier.

Schale mit Flow-Blue-Dekoration Museum Filia Lesbos Μουσείο Φιλιά Λέσβου
Schale mit Flow-Blue-Dekoration

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